
Das Wichtigste
- Bei den meisten Akkuschraubern sitzt das Bohrfutter auf einem Gewinde von 3/8 oder 1/2 Zoll und ist mit einer Schraube mit Linksgewinde gesichert.
- Erst diese Schraube im Uhrzeigersinn herausdrehen, dann das Futter mit einem eingespannten Sechskantschlüssel gegen den Uhrzeigersinn lösen.
- Bosch nennt für das neue Futter je nach Gerät 10 bis 35 Nm Anzugsmoment.
Beim Bohrfutter wechseln an Akkuschrauber oder Bohrmaschine kommt zuerst die Sicherungsschraube im Futter heraus. Sie hat ein Linksgewinde und wird deshalb im Uhrzeigersinn gelöst. Danach wird ein Innensechskantschlüssel der Größe 8 oder 10 eingespannt und das Futter mit einem kurzen Ruck gegen den Uhrzeigersinn von der Spindel gedreht.
Sitzt das Futter fest, ist häufig eine übersehene Sicherungsschraube der Grund, seltener ein zu hohes Anzugsmoment oder Rost im Gewinde. Bohrhämmer mit SDS-plus und Ständerbohrmaschinen mit Kegelaufnahme funktionieren anders. Für beide Fälle steht unten eine eigene Anleitung.
Vor dem Wechsel: Strom weg, Schalter sichern
Bei Netzgeräten den Stecker ziehen, bei Akkugeräten den Akku herausnehmen. Bosch verlangt in seinen Betriebsanleitungen für Akku-Bohrschrauber außerdem, vor jedem Werkzeugwechsel den Drehrichtungsumschalter in Mittelstellung zu bringen, damit die Maschine bei einem versehentlichen Druck auf den Schalter nicht anläuft. Beim Lösen mit Hammer und Schlüssel rutscht das Werkzeug leicht ab. Eine Schutzbrille und eine feste Unterlage, etwa die Werkbank, gehören deshalb dazu.
Welche Aufnahme hat die Maschine?
Bevor irgendetwas gedreht wird, muss klar sein, wie das Futter befestigt ist. Wer an einem Kegelfutter dreht oder bei einem Bohrhammer nach einer Schraube sucht, kommt nicht weiter. Die Tabelle fasst die fünf üblichen Aufnahmen zusammen.
| Aufnahme | Typische Geräte | Erkennbar an | So wird gelöst |
|---|---|---|---|
| Gewinde mit Sicherungsschraube | Akkuschrauber, Schlagbohrmaschine | Schraubenkopf tief im geöffneten Futter | Schraube rechtsherum, Futter linksherum |
| Gewinde ohne Schraube | ältere Netzbohrmaschinen | glatter Boden im Futter | Futter linksherum abdrehen |
| SDS-plus-Aufnahmeschaft | Bohrhammer | Futter mit eigenem SDS-Schaft | Verriegelungshülse zurückziehen, abziehen |
| Wechselbohrfutter | Bohrhämmer mit Wechselsystem | Verriegelungsring hinter dem Futter | Ring zurückziehen, Futter nach vorn ziehen |
| Kegel (z. B. B16) | Ständerbohrmaschine | kein Gewinde, Futter auf Konus gepresst | mit Austreibkeilen abdrücken |
Spindelstopp prüfen
Der Hersteller Röhm beschreibt einen einfachen Test. Einen Sechskantschlüssel ins Futter stecken, das Futter gegen den Uhrzeigersinn schließen und dann den Schlüssel im Uhrzeigersinn drehen. Dreht sich der Schlüssel samt Spindel, hat die Maschine keinen Spindelstopp. Blockiert er, ist eine Spindelarretierung vorhanden.
Diese Unterscheidung bestimmt das Vorgehen. Bei Maschinen mit Spindelstopp hält das Getriebe die Spindel fest. Ohne Spindelstopp muss die Spindel von außen gehalten werden, nach der Röhm-Anleitung mit einem Gabelschlüssel an den Schlüsselflächen der Spindel. Manche Bosch-Netzgeräte haben dafür eine Querbohrung am Spindelhals. In die wird laut Betriebsanleitung ein Stahlstift mit 4 mm Durchmesser und rund 50 mm Länge gesteckt.
Bohrfutter am Akkuschrauber lösen: Schritt für Schritt
Die Reihenfolge folgt den Anleitungen von Röhm und Bosch. Röhm rechnet mit 10 bis 20 Minuten.
- Akku herausnehmen, Drehrichtungsschalter auf Mittelstellung.
- Futter ganz öffnen und mit einer Lampe hineinleuchten. Je nach Modell sitzt dort eine Kreuzschlitz- oder Schlitzschraube, manche Futter haben gar keine.
- Spindel festhalten (Spindelstopp oder Gabelschlüssel) und die Sicherungsschraube im Uhrzeigersinn herausdrehen. Das ist das Linksgewinde, an dem die meisten Versuche scheitern.
- Einen Innensechskantschlüssel mit dem kurzen Schenkel voran fest ins Futter spannen.
- Maschine auf die Werkbank legen und festhalten. Den langen Schenkel gegen den Uhrzeigersinn drehen. Sitzt das Futter fest, löst laut Bosch ein leichter Schlag auf den langen Schenkel die Verbindung.
- Schlüssel herausnehmen und das Futter von Hand vollständig abschrauben.
Bosch erlaubt bei Schnellspannfuttern statt des Sechskantschlüssels auch einen Gabelschlüssel mit Schlüsselweite 19 mm, der direkt auf das Futter gesetzt wird. Das hängt vom Modell ab, ein Blick in die eigene Betriebsanleitung lohnt sich.
Wenn das Futter trotzdem nicht abgeht
Ein Futter, das auch nach mehreren Schlägen nicht nachgibt, hat meist eine von wenigen Ursachen. Diese Prüfliste in dieser Reihenfolge abarbeiten:
- Sicherungsschraube wirklich entfernt? Sie sitzt oft so tief, dass sie nur mit Licht zu sehen ist.
- In die richtige Richtung gedreht? Von vorn auf das Futter gesehen gilt: Futter gegen den Uhrzeigersinn, Schraube im Uhrzeigersinn.
- Hält die Spindel? Ohne Spindelstopp dreht sich sonst die Spindel einfach mit.
- Ist der Schlüssel fest gespannt? Rutscht er in den Backen, wird er vor dem nächsten Schlag nachgespannt.
- Ist der Schraubenkopf vermurkst? Dann zuerst die Schraube retten, mit einem genau passenden Bit und kräftigem Andruck. Ohne entfernte Schraube bringt Gewalt am Futter nichts.
Eine Rohrzange am Futtermantel beschädigt Kunststoffhülsen und Spannmechanik. Bei einem Futter, das ohnehin ersetzt wird, ist das egal, beim Weiterverwenden nicht. Wer an der Maschine selbst nichts verbiegen will, schlägt kurz und kontrolliert, statt mit einer Verlängerung langsam Kraft aufzubauen. Ein Stoß löst das Gewinde, ohne dass Getriebe und Spindelstopp lange unter Last stehen.
Welches Futter passt? Spindel messen
Ersatzfutter werden nach dem Spindelgewinde verkauft. Röhm unterscheidet drei Spindeldurchmesser, die sich mit dem Messschieber oder mit einem Papierstreifen bestimmen lassen. Beim Messschieber rechnet Röhm mit einer Abweichung von 0,1 bis 0,3 mm. Ein gemessener Wert von etwa 12,5 mm steht also für 1/2 Zoll.
| Gewinde | Spindel-Durchmesser | Papierstreifen 40 mm lang |
|---|---|---|
| 3/8 Zoll | ca. 9,5 mm | Enden überlappen |
| 1/2 Zoll | ca. 12,7 mm | Enden treffen sich genau |
| 9/16 Zoll | ca. 14,3 mm | Enden berühren sich nicht |
Der Papiertest von Röhm funktioniert, weil ein 40 mm langer Streifen fast genau dem Umfang einer 1/2-Zoll-Spindel entspricht: 12,7 mm × 3,14 = 39,9 mm. Im Handel tragen die Gewinde meist zusätzlich die Gangzahl, etwa „1/2"-20 UNF“ oder „3/8"-24 UNF“. Daneben zählen Spannbereich und Belastbarkeit. Röhm gibt etwa für sein Schnellspannfutter Extra-RV ein maximales Drehmoment von 100 Nm und Maschinen bis 1.500 Watt an. Für Maschinen ohne Spindelstopp liefert Röhm das Futter mit Haltering.
Neues Bohrfutter montieren und anziehen
Die Montage läuft in umgekehrter Reihenfolge: Futter von Hand im Uhrzeigersinn aufdrehen, Sechskantschlüssel einspannen, Spindel halten und festziehen. Danach kommt die Sicherungsschraube wieder hinein, gegen den Uhrzeigersinn, weil sie ein Linksgewinde hat. Röhm bezeichnet diesen Schritt ausdrücklich als sicherheitsrelevant. Ohne Schraube kann sich das Futter im Linkslauf losdrehen.
Bosch verlangt für die Sicherungsschraube jedes Mal eine neue Schraube. Auf ihrem Gewinde ist eine Sicherungsklebemasse aufgebracht, die bei mehrfacher Verwendung ihre Wirkung verliert. Ersatzschrauben gibt es beim Hersteller oder im Ersatzteilhandel.
| Gerät (Bosch-Angabe) | Futter anziehen | Sicherungsschraube |
|---|---|---|
| Akku-Bohrschrauber GSR/GSB 12 bis 18 VE-2 | ca. 10–25 Nm | ca. 1,5–2,5 Nm |
| Schlagbohrmaschine UniversalImpact 730 | ca. 30–35 Nm | keine Angabe |
Die Werte gelten für die genannten Geräte. Für andere Maschinen steht das Anzugsmoment in der jeweiligen Betriebsanleitung.
Rechenbeispiel: Wie fest sind 30 Nm?
Ohne Drehmomentschlüssel hilft eine Überschlagsrechnung mit der Hebelformel M = F × r. Beim eingespannten Sechskantschlüssel ist r der Abstand von der Futtermitte bis zur Hand am langen Schenkel. Bei 15 cm Hebel gilt: F = 30 Nm ÷ 0,15 m = 200 N. Das entspricht etwa dem Gewicht von 20 kg am Schenkelende. Für 10 Nm am Akkuschrauber reichen bei gleichem Hebel rund 67 N, also gut 6,5 kg. Das zeigt, wie unterschiedlich fest kleine Akkugeräte und Schlagbohrmaschinen angezogen werden.
Sonderfall Bohrhammer mit SDS-plus
Am Bohrhammer wird zum Wechseln nicht geschraubt. Ein Zahnkranz- oder Schnellspannfutter sitzt dort auf einem eigenen SDS-plus-Aufnahmeschaft, auf den es aufgeschraubt und mit einer Sicherungsschraube mit Linksgewinde gesichert ist. Zum Wechseln beschreibt Bosch für den GBH 2-26: Verriegelungshülse nach hinten schieben und das Futter abnehmen. Beim Einsetzen das Einsteckende reinigen, leicht fetten, drehend einschieben, bis es selbsttätig einrastet, und die Verriegelung durch Ziehen prüfen.
Bei Modellen mit Wechselbohrfutter wird der Verriegelungsring hinter dem Futter zurückgezogen und gehalten, dann lässt sich das Futter nach vorn abziehen. Wichtig für den Betrieb: Bohrer ohne SDS-plus-Schaft im Zahnkranz- oder Schnellspannfutter nicht zum Hammerbohren oder Meißeln benutzen. Laut Bosch werden Werkzeug und Bohrfutter dabei beschädigt.
Sonderfall Ständerbohrmaschine mit Kegelaufnahme
Ständerbohrmaschinen und viele Drehmaschinen nehmen das Bohrfutter über einen Kegel auf. Der Kegeldorn ist nach DIN 238 (Ausgabe 2005-02) genormt, der Bohrfutterkegel im Futter nach DIN ISO 239 (Ausgabe 2003-12). Gängige Bezeichnungen sind B12, B16 und B18. Die Verbindung hält durch Reibung, Drehen oder Abschrauben bringt hier nichts.
Zum Lösen wird das Futter mit Austreibkeilen vom Konus abgedrückt, die zwischen Futter und Spindelgehäuse angesetzt werden. Schläge seitlich auf das Futter verformen den Kegel und erzeugen Rundlauffehler. Welche Keile und welcher Ablauf an der eigenen Maschine vorgesehen sind, steht in der Betriebsanleitung. Bei Pinolen ohne Austreibschlitz ist das ein Fall für die Fachwerkstatt.
Häufige Fragen
Hat das Bohrfutter ein Links- oder Rechtsgewinde?
Das Futter selbst sitzt mit Rechtsgewinde auf der Spindel und wird gegen den Uhrzeigersinn abgeschraubt. Die Sicherungsschraube im Futter hat ein Linksgewinde und wird im Uhrzeigersinn herausgedreht. Das gilt für die Anleitungen von Röhm und Bosch.
Was tun, wenn sich ein Schnellspannfutter nicht mehr öffnen lässt?
Dann klemmt der Spannmechanismus, nicht das Gewinde auf der Spindel. Das Problem: Bei geschlossenem Futter ist die Sicherungsschraube nicht erreichbar, und ohne sie geht das Futter nicht ab. Für diesen Fall ist eine Fachwerkstatt oder der Service des Maschinenherstellers die richtige Adresse.
Wie lange dauert der Bohrfutterwechsel?
Röhm setzt 10 bis 20 Minuten an. Ein festgerostetes Futter oder eine beschädigte Sicherungsschraube kann deutlich länger dauern.
Fazit
Wer ein Bohrfutter wechseln will, sucht zuerst die Sicherungsschraube mit Linksgewinde und prüft dann, ob die Maschine einen Spindelstopp hat. Mit eingespanntem Sechskantschlüssel und einem kurzen Schlag lösen sich auch fest angezogene Futter. Beim Ersatzfutter sind Spindelmaß, Spannbereich und zulässiges Drehmoment wichtig. Bei der Montage kommt eine neue Sicherungsschraube hinein, und das Anzugsmoment aus der Betriebsanleitung wird eingehalten.
Quellen
- Röhm GmbH · Bohrfutterwechsel: Spindelstopp bestimmen · Abruf 10/2026
- Röhm GmbH · Spindeldurchmesser bestimmen · Abruf 10/2026
- Röhm GmbH · Bohrfutter Montage-Anleitung · Abruf 10/2026
- Röhm GmbH · Schnellspannbohrfutter Extra-RV: technische Daten · Abruf 10/2026
- Robert Bosch GmbH · Originalbetriebsanleitung GSR/GSB 12 VE-2, 14,4 VE-2, 18 VE-2 (PDF) · Abruf 10/2026
- Robert Bosch Power Tools GmbH · UniversalImpact: Bohrfutter wechseln · Abruf 10/2026
- Robert Bosch Power Tools GmbH · Originalbetriebsanleitung GBH 2-26 RE, DRE, DFR (PDF) · Abruf 10/2026
- Robert Bosch Power Tools GmbH · Hammer 18V: Bohrfutter wechseln · Abruf 10/2026
- DIN Media · DIN 238-1 Bohrfutteraufnahme, Kegeldorne (ersetzt durch DIN 238:2005-02) · Abruf 10/2026
- DIN Media · DIN 238-2 Bohrfutterkegel (ersetzt durch DIN ISO 239:2003-12) · Abruf 10/2026


