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Kap. 3Garten & Forst

Kettensäge schärfen: Welche Feile, welcher Winkel?

Rundfeile passend zur Teilung, 30 Grad Schärfwinkel, danach den Tiefenbegrenzer mit der Feillehre prüfen: So wird eine Sägekette wieder scharf. Mit Tabelle aller Feilen- und Lehrenmaße und den typischen Schärffehlern.

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Nahaufnahme eines Sägekettenstücks vor schwarzem Hintergrund mit Schneidezähnen, Tiefenbegrenzern und vernieteten Kettengliedern
Foto: fotoblend / Pixabay, Pixabay-Inhaltslizenz

Das Wichtigste

  1. Die meisten Sägeketten werden mit 30 Grad Schärfwinkel und einer Rundfeile geschärft, deren Durchmesser zur Teilung passt, bei 3/8 Zoll etwa 5,2 mm.
  2. Danach wird der Tiefenbegrenzer mit der Feillehre geprüft, meist auf 0,65 mm.
  3. Ist die Verschleißmarkierung erreicht, kommt eine neue Kette auf die Säge.

Eine Kettensäge wird mit einer Rundfeile geschärft, deren Durchmesser zur Kettenteilung passt, bei 3/8 Zoll zum Beispiel 5,2 mm. Geführt wird sie im rechten Winkel zur Führungsschiene und mit 30 Grad Schärfwinkel. Danach kommt der Tiefenbegrenzer dran: Er wird mit einer Feillehre geprüft und mit der Flachfeile nachgearbeitet, bis der Abstand je nach Teilung wieder 0,45 bis 0,80 mm beträgt.

Der zweite Schritt wird oft vergessen. Mit jedem Schärfen wird der Zahn kürzer und, weil er nach hinten flacher zuläuft, auch niedriger. STIHL schreibt in seiner Broschüre „STIHL Sägeketten schärfen“ deshalb vor, nach jedem Schärfen den Tiefenbegrenzerabstand zu prüfen. Wer das auslässt, hat eine scharfe Kette, die trotzdem kaum schneidet.

Der Gemeinde-Unfallversicherungsverband Hannover weist darauf hin, dass schon das Aufziehen einer neuen Kette „nicht selten“ zu Schnittverletzungen an der Hand führt. Vor jeder Arbeit an der Kette also Motor aus, Kettenbremse einlegen, bei Akkusägen den Akku herausnehmen und Handschuhe aus widerstandsfähigem Material anziehen. So steht es in der STIHL-Gebrauchsanleitung zur Akku-Motorsäge MSA 160.0 C.

Wann muss die Kette geschärft werden?

Die STIHL-Broschüre nennt fünf Anzeichen für eine stumpfe Kette:

  • Die Kette zieht sich nicht mehr von selbst ins Holz, man muss die Säge hineindrücken.
  • Beim Ablängen entsteht feines Sägemehl statt grober Späne.
  • Im Schnitt raucht es, obwohl Schmierung und Kettenspannung stimmen.
  • Der Schnitt läuft schief, ein Hinweis auf einseitig stumpfe oder ungleich lange Zähne.
  • Die Säge rattert und springt. Hier zuerst die Tiefenbegrenzer prüfen.

Feste Intervalle gibt es nicht, es hängt vom Holz und von der Einsatzdauer ab. Im Wartungsplan der MSA 160.0 C steht „wöchentlich: Sägekette prüfen und schärfen“. Oregon Tool, einer der großen Kettenhersteller, nennt einen weiteren Grund. Eine stumpfe Kette erhöhe das Risiko, dass die Schiene nach oben schlägt, wenn sich die Kette im Holz verhakt. Dieser Rückschlag gehört nach Oregon zu den häufigsten Ursachen für Motorsägenverletzungen.

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Mediadaten

Nicht jede Kette lässt sich mit der Feile schärfen. Hartmetallbestückte Ketten, bei STIHL „Duro“ genannt, brauchen Diamantscheiben und gehören zum Fachhändler.

Welche Feile passt zu welcher Kette?

Der Feilendurchmesser richtet sich nach der Teilung. Bei STIHL-Ketten steht eine Kennziffer auf dem Tiefenbegrenzer, die direkt auf die Teilung verweist. Die folgende Tabelle fasst die Werte aus der STIHL-Broschüre zusammen: Feile, Tiefenbegrenzerabstand und die Mindestnuttiefe der Führungsschiene.

TeilungKennziffer STIHLRundfeileTiefenbegrenzerMindestnuttiefe
1/4" P (Picco)73,2 mm0,45 mm4 mm
1/4"14,0 mm0,65 mm4 mm
3/8" P (Picco)64,0 mm0,65 mm5 mm
.325"24,8 mm0,65 mm6 mm
3/8"35,2 mm0,65 mm6 mm
.404"45,5 mm0,80 mm7 mm

Die Werte gelten für STIHL-Ketten und lassen sich nicht blind auf andere Marken übertragen. Husqvarna empfiehlt für seine 3/8-Zoll-Ketten eine 5,5-mm-Feile, also 0,3 mm mehr als STIHL für dieselbe Teilung. Für .325 Zoll nennt Husqvarna wie STIHL 4,8 mm, für 3/8 Zoll Mini und .325 Zoll Mini 4,0 mm. Verbindlich ist, was in der Bedienungsanleitung oder auf der Kettenverpackung steht. Oregon verweist ebenfalls darauf: Schärfwinkel und Kettentyp stehen im Handbuch oder auf der Packung, die Typnummer meist auf dem Treibglied.

Ist keine Kennzeichnung mehr lesbar, lässt sich die Teilung messen. STIHL beschreibt den Weg: Abstand von Nietmitte zur übernächsten Nietmitte messen und durch zwei teilen. Das Ergebnis ist die Teilung in Millimetern, geteilt durch 25,4 ergibt sie den Wert in Zoll.

Rechenbeispiel: Der Messschieber zeigt 16,5 mm über drei Niete. 16,5 mm ÷ 2 = 8,25 mm. 8,25 ÷ 25,4 = 0,325 Zoll. Das ist eine .325-Zoll-Kette, die Feile hat 4,8 mm. Bei 18,6 mm Messwert ergeben sich 9,3 mm, also rund 0,37 Zoll. STIHL nennt 9,32 mm für 3/8 Zoll.

STIHL rät ausdrücklich, nur Sägekettenfeilen zu verwenden, keine beliebigen Rundfeilen aus der Werkstatt.

Der richtige Schärfwinkel

STIHL schärft seine Ketten ab Werk mit 30 Grad Schärfwinkel, gemessen am Zahndach und parallel zur Servicemarkierung auf dem Zahn. Diesen Wert nennt auch der Staatsbetrieb Sachsenforst in seiner Anleitung für eine .325-Zoll-Halbmeißelkette. Die Feile liegt dabei waagerecht, also im 90-Grad-Winkel zur Seitenfläche der Schiene.

Der zweite Winkel ist der Brustwinkel an der Vorderseite des Zahns. Er liegt nach Sachsenforst je nach Hersteller bei 75 oder 85 Grad. Den muss man nicht eigens einstellen: Wenn ein Viertel des Feilendurchmessers über das Zahndach hinausragt, ergeben sich Brust- und Dachwinkel laut STIHL von selbst. Andere Kettentypen können abweichende Winkel haben. Deshalb lohnt der Blick auf die Packung, gerade bei Fremdketten.

Oberkante Führungsschiene Tiefenbegrenzer Zahndach Abstand: 0,45 bis 0,80 mm je nach Teilung Zeichnung nicht maßstäblich
Der Tiefenbegrenzerabstand ist die Höhendifferenz zwischen Oberkante Tiefenbegrenzer und Vorderkante Zahndach. Er bestimmt die Spandicke. Grafik: Redaktion

Kettensäge schärfen in neun Schritten

Die Schrittfolge kombiniert die STIHL-Broschüre mit der Sachsenforst-Anleitung. Benötigt werden Rundfeile mit Feilenhalter, Flachfeile, Feillehre passend zur Teilung, ein Filzstift und ein Schraubstock oder Feilbock.

  1. Kette reinigen, etwa mit Harzlöser, und auf Schäden prüfen. Nach Sachsenforst wird die Kette ersetzt, wenn mehr als zwei Zähne abgebrochen sind.
  2. Säge ausschalten, Schiene im Schraubstock einspannen. Die Kette etwas straffer spannen als im Betrieb, damit die Zähne beim Feilen nicht kippen.
  3. Den kürzesten Zahn suchen und als Richtzahn markieren. Bei einer neuen Kette genügt ein beliebiger Startzahn.
  4. Kette zum Feilen in Position ziehen, dann Kettenbremse einlegen. Zum Weiterziehen Bremse lösen, vor dem nächsten Zahn wieder einlegen.
  5. Feile im 90-Grad-Winkel zur Schiene und mit 30 Grad Schärfwinkel ansetzen, ein Viertel des Durchmessers über dem Zahndach.
  6. Nur im Vorwärtsstrich von innen nach außen feilen, beim Zurückführen anheben. Sachsenforst rechnet mit zwei bis drei Strichen je Zahn. Die Feile ab und zu etwas drehen.
  7. Richtzahn schärfen, bis keine Lichtreflexe mehr an der Schneide zu sehen sind. Danach alle Zähne dieser Seite mit derselben Strichzahl auf seine Länge bringen.
  8. Säge um 180 Grad drehen und die andere Zahnreihe genauso feilen.
  9. Feillehre auflegen, Tiefenbegrenzer prüfen, nachfeilen (nächster Abschnitt). Zum Schluss die normale Kettenspannung wieder einstellen.

STIHL rät, beim ersten Zahn eine Filzstift-Markierung zu setzen und nach zwei bis drei Strichen nachzusehen. Ist die Farbe nur stellenweise weg, sitzt die Feile zu hoch oder zu tief, oder sie hat den falschen Durchmesser. Sachsenforst ergänzt einen Kniff für ältere Ketten: Ist der Zahn zur Hälfte abgefeilt, wird auf den nächstkleineren Feilendurchmesser gewechselt, im Beispiel von 4,8 auf 4,5 mm.

Tiefenbegrenzer richtig nacharbeiten

Die Feillehre wird auf die Kette gelegt. Steht der Tiefenbegrenzer über, wird er mit der Flachfeile waagerecht bis auf Lehrenhöhe abgefeilt. Weil die meisten Lehren aus Aluminium sind, nimmt man sie vor dem Feilen ab, sonst leidet die Lehre. Danach wird das Dach des Tiefenbegrenzers parallel zur Servicemarkierung leicht schräg gefeilt, ohne die höchste Stelle weiter abzutragen.

Bei rückschlagarmen STIHL-Ketten mit Höckertreibglied (Ziffer 3 in der Bezeichnung, zum Beispiel 36 RS3) wird der Höcker im selben Arbeitsgang mitbearbeitet. Den frisch geschärften Schneidezahn darf die Flachfeile nicht berühren.

Der Abstand ist ein Sicherheitsmaß, kein Tuning-Wert. Zu tief gefeilte Tiefenbegrenzer erhöhen laut STIHL die Rückschlagneigung, die Kette hakt und kann reißen. Eine Ausnahme nennt STIHL ausdrücklich: In Weichholz außerhalb der Frostperiode darf der Abstand bis zu 0,2 mm größer sein. Bei einer 3/8-Zoll-Kette sind das höchstens 0,65 + 0,2 = 0,85 mm. Praktisch geht das mit der Feillehre der nächstgrößeren Teilung.

Typische Schärffehler und ihre Folgen

Schneidet die Kette nach dem Schärfen immer noch schlecht, liegt das meist an einem dieser Fehler aus der STIHL-Fehlerliste:

FehlerFolgeAbhilfe
Schärfwinkel zu spitzhakeliger Schnitt, kurze StandzeitFeilhilfe nutzen, 30° einhalten
Schärfwinkel zu stumpfwenig Schnittleistung, hoher VorschubdruckFeilhilfe nutzen
Brust vorhängendhakelig, mehr RückschlaggefahrFeile höher, größerer Durchmesser
Brust rückhängendwenig Leistung, hoher VerschleißFeile tiefer, kleinerer Durchmesser
Zähne ungleich langSchnitt verläuftalle Zähne auf Richtzahn feilen
Tiefenbegrenzer zu hochscharf, aber kaum Schnittmit Feillehre nacharbeiten
Tiefenbegrenzer zu tiefRückschlag- und KettenbruchgefahrZähne zurückfeilen oder Kette tauschen

Lassen sich die Winkel mit der Feile nicht mehr korrigieren, empfiehlt STIHL einen Durchgang am Schärfgerät beim Fachhändler. Danach geht das Nachfeilen von Hand wieder leicht.

Feilhilfen: was sie kosten

Freihändig alle Winkel zu treffen, braucht viel Übung. Eine einfache Feillehre kostet im STIHL-Onlineshop 5,00 €, der Feilenhalter 2-in-1, der Zahn und Tiefenbegrenzer in einem Zug bearbeitet, 44,90 € (Stand 10/2026). Für die meisten Gelegenheitsnutzer reicht ein Feilenhalter mit Rundfeile plus Feillehre und Flachfeile.

Kette spannen nach dem Schärfen

Richtig gespannt liegt die Kette nach der STIHL-Broschüre überall an der Schiene an und lässt sich bei gelöster Kettenbremse noch von Hand durchziehen. Die Anleitung der MSA 160.0 C präzisiert: mit zwei Fingern und geringem Kraftaufwand. Beim Spannen wird die Schiene an der Spitze angehoben, erst danach werden Mutter oder Flügelmutter festgezogen. Hängt die Kette an der Unterseite durch, wird nachgespannt.

Neue Ketten längen sich in den ersten Einsätzen, und im Betrieb dehnt sich die warme Kette aus. Die Spannung wird deshalb während der Arbeit regelmäßig geprüft. Nach der Arbeit sieht die STIHL-Anleitung das Entspannen vor, bei der MSA 160.0 C zwei Umdrehungen am Spannrad. Carving-Schienen mit kleinem Spitzenradius werden lockerer gespannt: Die Treibglieder sollen an der Unterseite noch zur Hälfte sichtbar sein.

Beim Auflegen zeigen die Pfeile auf den Verbindungsgliedern oben an der Schiene in Laufrichtung. Eine falsch herum montierte Kette schneidet nicht, egal wie scharf sie ist.

Häufige Fragen

Warum schneidet die Säge trotz neuer Kette nicht?

Häufige Gründe sind eine verkehrt herum aufgelegte Kette oder ein verschlissenes Kettenrad. STIHL nennt als Verschleißgrenze Einlaufspuren von etwa 0,5 mm am Kettenrad und als Faustregel das 4-2-1-Prinzip: Im selben Zeitraum verschleißen etwa vier Ketten, zwei Kettenräder und eine Schiene. Sachsenforst empfiehlt, das Kettenrad spätestens nach zwei verbrauchten Ketten zu tauschen.

Wie oft wird der Tiefenbegrenzer gefeilt?

Geprüft wird nach jedem Schärfen. Nachgefeilt wird nur, wenn er über die Lehre hinausragt. Das passiert nicht nach jedem Durchgang, weil der Zahn pro Schärfen nur wenig niedriger wird.

Wann ist die Kette verbraucht?

Wenn die Verschleißmarkierung auf dem Zahndach erreicht ist. Dann wird die Kette ersetzt, nicht weiter geschärft.

Was gehört zur Pflege der Schiene?

Ölbohrung und Nut reinigen, Grate an den Schienenstegen mit der Flachfeile entfernen und die Nuttiefe mit der Maßskala der Feillehre messen. Sachsenforst rät, die Schiene nach jedem zweiten Einsatz zu wenden, damit sie gleichmäßig verschleißt.

Fazit

Für eine scharfe Kette braucht es die richtige Feile, 30 Grad und eine gleichmäßige Strichzahl an jedem Zahn. Den Tiefenbegrenzer nach jedem Schärfen mit der Lehre prüfen, bei Unsicherheit eher etwas zu hoch als zu tief lassen. Die Feilengröße steht in der Bedienungsanleitung oder auf der Kettenpackung, und die gilt vor jeder allgemeinen Tabelle.

Quellen

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