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Kap. 3Garten & Forst

Kettensägenschein: Wer braucht ihn und was kostet er?

Ein Brennholzkurs kostet bei öffentlichen Forstanbietern 135 bis 220 Euro, Modul A nach DGUV rund 350 Euro. Wann der Schein Pflicht ist, was in den Modulen A bis D steckt und welcher Kurs für welche Arbeit reicht.

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Benzin-Motorsäge mit langer Führungsschiene liegt auf einem gefällten Stamm, dahinter ein orangefarbener Schutzhelm mit Visier
Foto: markusspiske / Pixabay, Pixabay-Inhaltslizenz

Das Wichtigste

  1. Ein Kettensägenschein für Brennholz-Selbstwerber kostet bei staatlichen und kommunalen Anbietern 135 bis 220 Euro, Modul A nach DGUV Information 214-059 rund 350 Euro.
  2. Pflicht ist er im Staatswald, in PEFC-Betrieben und für Beschäftigte.
  3. Für Arbeiten im eigenen Garten gibt es keine allgemeine Scheinpflicht.

Einen Kettensägenschein brauchen vor allem Brennholz-Selbstwerber im Staats- und Kommunalwald sowie alle, die beruflich mit der Motorsäge arbeiten. Ein Brennholz- oder Selbstwerberkurs mit 8 bis 18 UE kostet bei staatlichen und kommunalen Anbietern 135 bis 220 Euro, das zweitägige Modul A nach DGUV Information 214-059 rund 350 Euro (Stand 10/2026).

Ein Gesetz mit dem Namen „Kettensägenschein“ gibt es nicht. Der Begriff, ebenso wie „Motorsägenschein“, meint die Teilnahmebescheinigung eines Lehrgangs. Wer sie verlangt, ist entweder der Arbeitgeber, die Unfallversicherung oder der Waldbesitzer, der Holz zur Selbstwerbung abgibt.

Motorsägenarbeit gehört zu den gefährlichsten Tätigkeiten im Wald und Garten. Zu den Kursinhalten nach DGUV gehören das Verbot der Alleinarbeit und der Fallbereich beim Fällen: die doppelte Baumlänge. Sturm- und Bruchholz mit Spannungen gehört laut DGUV in die Hände von Personen mit mehrjähriger Berufserfahrung, ein Grundkurs reicht dafür nicht.

Wer braucht den Kettensägenschein?

Die Pflicht ergibt sich je nach Situation aus unterschiedlichen Quellen. Die folgende Übersicht fasst sie zusammen.

SituationSchein nötig?Grundlage
Beschäftigte, z. B. Bauhof, Gartenpflegeja, Modul A als MinimumDGUV Vorschrift 1 § 7, DGUV Information 214-059
Brennholz-Selbstwerber in Bayernin der Regel ja, anerkannter KursVorgaben laut BayernPortal
Brennholzwerbung in NRWjaAngabe Landesverband Lippe
Selbstwerber in PEFC-Betriebenja, TeilnahmebescheinigungPEFC-Standard laut Landesforsten RLP
Waldbesitzer im eigenen Wald (SVLFG-versichert)Lehrgang empfohlenVSG 4.3 Forsten, SVLFG
Privat im eigenen Gartenkeine allgemeine Pflichtkein Gesetz schreibt ihn vor

Für Betriebe ist die Lage eindeutig. Nach DGUV Information 214-059 darf der Unternehmer nur Personen mit der Motorsäge arbeiten lassen, die persönlich und fachlich geeignet sind. Welches Modul nötig ist, legen die Führungskräfte über die Gefährdungsbeurteilung fest. Für Bauhof, Gartenpflege, Straßenbetriebsdienst und Hausverwaltung stuft die DGUV Modul A als erforderlich ein.

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Mediadaten

Selbstwerber stehen außerhalb des Arbeitsschutzes. Landesforsten Rheinland-Pfalz weist darauf hin, dass sie weder der Unfallversicherungspflicht noch dem Arbeitsschutzgesetz unterliegen. Die Waldbesitzer verlangen den Schein trotzdem: Nach PEFC-Standard tragen sie eine Mitverantwortung für alle, die in ihrem Wald arbeiten. In Bayern nennt das BayernPortal für Selbstwerber drei übliche Voraussetzungen. Gefordert sind eine Privathaftpflichtversicherung, ein von der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft anerkannter Motorsägenkurs und eine zertifizierte Schutzausrüstung.

Die Module A bis D nach DGUV Information 214-059

Die DGUV Information 214-059 (Ausgabe November 2018) legt den Mindestumfang der Ausbildung fest. DGUV und die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) haben die Inhalte abgestimmt und erkennen die Kurse gegenseitig an. Eine Unterrichtseinheit (UE) dauert 45 Minuten.

ModulInhaltUmfangVoraussetzung
Aliegendes Holz, Fällen bis 20 cm BHD16 UE, 2 TagePSA, Eignung
BFällen über 20 cm BHD, Seilwinde24 UE, 3 TageModul A
CArbeitskorb, ohne stückweises Abtragen16 UE, 2 TageModul A, Hubarbeitsbühne
DArbeitskorb, stückweises Abtragen24 UE, 3 TageModul B oder AS Baum I

BHD steht für Brusthöhendurchmesser. Er wird nach DGUV in 1,30 m Höhe über dem Boden gemessen. Ein Baum mit 20 cm BHD hat also in Brusthöhe rund 63 cm Umfang (20 cm × 3,14).

Modul A teilt sich in mindestens 8 UE Theorie und 8 UE Praxis. Auf dem Plan stehen Aufbau und Sicherheitseinrichtungen der Säge, Schnitttechniken wie Fächer- und Stechschnitt, Spannungen im Holz, Kettenschärfen und das Fällen von Schwachholz mit Fällheber und Keil. Das Zertifikat muss nach DGUV ausweisen, dass der Teilnehmer am liegenden Holz sägen und Bäume bis 20 cm BHD „unter einfachen Verhältnissen“ fällen kann.

Forstarbeiter mit orangefarbenem Helm und roten Handschuhen setzt kniend die Motorsäge am Stammfuß eines Nadelbaums an
Fällschnitt am Stammfuß: Bäume über 20 cm BHD sind Stoff von Modul B. Foto: hagenstaadt / Pixabay (Quelle, Pixabay-Inhaltslizenz)

Modul B baut darauf auf: Fällung stärkerer Bäume, Stütz- und Haltebandtechnik, Herzschnitt, geworfene und angeschobene Bäume sowie der Einsatz von Seilwinde und Handseilzug. Die Module C und D betreffen Baumarbeiten aus dem Korb von Hubarbeitsbühnen und Drehleitern. Sägen in Kombination mit Seilklettertechnik deckt keines der vier Module ab.

Neben der DGUV-Reihe gibt es die Lehrgänge der SVLFG. Der Waldbesitzerlehrgang dauert zwei Tage. Für gewerbliche Baumarbeiten nach VSG 4.2 ist der fünftägige Lehrgang „Arbeitssicherheit Baum I“ (AS Baum I) Mindestvoraussetzung. Alternativ lässt sich dieselbe Fachkunde in einem zweitägigen Grund- und einem dreitägigen Aufbaulehrgang erwerben. AS Baum II (ebenfalls fünf Tage) ist für Motorsägenarbeit von der Hubarbeitsbühne gedacht.

Was kostet der Kettensägenschein?

Die Preise stammen von staatlichen und kommunalen Kursanbietern, private Schulen liegen teils darunter, teils darüber. Für den Vergleich ist der Preis je Unterrichtseinheit aussagekräftiger als der Gesamtpreis, weil die Kurse zwischen 8 und 24 UE dauern.

KursAnbieterUmfangPreis inkl. MwSt.je UE
MS-Basis, liegendes HolzLandesforsten RLP, Forstamt Soonwald8 UE135 €16,88 €
SelbstwerberkursLandesforst Mecklenburg-Vorpommern12 UE210 €17,50 €
Grundkurs, entspricht Modul ARegionalverband Ruhr18 UE220 €12,22 €
Modul ALandesforst Mecklenburg-Vorpommern16 UE350 €21,88 €
Modul BLandesforst Mecklenburg-Vorpommern24 UE480 €20,00 €
Modul A und B im PaketLandesforst Mecklenburg-Vorpommern40 UE770 €19,25 €

Stand 10/2026, Preise laut Kursseiten der Anbieter. Der Preis je UE ist eigene Rechnung: Gesamtpreis geteilt durch Unterrichtseinheiten.

Rechenbeispiel für jemanden, der zuerst nur Brennholz machen will und später auch Bäume fällen möchte. Modul A und B einzeln gebucht kosten in Mecklenburg-Vorpommern 350 € + 480 € = 830 €. Das Paket kostet 770 €, also 60 € weniger. Wer schon weiß, dass Fällarbeiten anstehen, spart mit der Paketbuchung und kommt in fünf Kurstagen zu beiden Bescheinigungen.

Waldbesitzer und Betriebe, die bei der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft versichert sind, bekommen Geld zurück. Die SVLFG zahlt seit 01.01.2025 für Lehrgänge an anerkannten Fortbildungsstätten 60 € bei zwei Tagen, 90 € bei drei Tagen und 150 € bei fünf Tagen. Dazu wird bei der Anmeldung die BG-Mitgliedsnummer angegeben, nach dem Kurs gibt es einen Gutschein zum Einreichen. Der Zuschuss setzt eine von der SVLFG anerkannte Fortbildungsstätte voraus; der RVR ist das nach eigener Angabe noch nicht. Beim Waldbesitzerlehrgang gilt der Zuschuss für versicherte Waldbesitzer und ihre Verwandten ersten Grades.

Zu den Kursgebühren kommt die eigene Ausrüstung. RVR, Landesforsten RLP und Landesforst MV verlangen, dass Teilnehmer mit eigener Säge und biologisch abbaubarem Kettenöl erscheinen. Landesforsten RLP und Landesforst MV schreiben Sonderkraftstoff vor, der RVR empfiehlt Alkylatbenzin.

Voraussetzungen und Schutzausrüstung

Die Teilnehmer müssen in der Regel volljährig sein. Der RVR, Landesforsten RLP und die Landesforst MV setzen 18 Jahre an, beim RVR mit Ausnahme von Auszubildenden. Dazu kommt die körperliche und geistige Eignung. Ohne vollständige Schutzausrüstung darf nach DGUV Information 214-059 niemand am Kurs teilnehmen. Der RVR nennt dafür diese Normen:

  • Schutzhelm nach DIN EN 397 mit Gesichtsschutz nach DIN EN 1731 und Gehörschutz nach DIN EN 352
  • Schnittschutzhose nach DIN EN 381
  • Schnittschutzschuhe oder -stiefel nach DIN EN ISO 17249
  • Arbeitshandschuhe nach DIN EN 388

Für den Wald kommen eine Jacke in Signalfarbe oder eine Warnweste dazu, so verlangen es Landesforsten RLP und die Vorgaben in Bayern. Landesforsten RLP fordert eine Säge auf aktuellem technischem Stand und Teilnehmer ohne Einfluss von Alkohol oder Drogen.

So läuft der Kurs ab

  1. Kursart nach geplanter Arbeit wählen: nur liegendes Holz, Fällen bis 20 cm BHD oder stärkere Bäume.
  2. Beim Waldbesitzer oder Forstamt nachfragen, welche Bescheinigung anerkannt wird.
  3. Schutzausrüstung beschaffen und Säge prüfen lassen, Sonderkraftstoff besorgen.
  4. Theorie im Lehrsaal, danach Praxis im Wald: höchstens 4 Teilnehmer je Ausbilder, in begründeten Fällen 6.
  5. Lernerfolgskontrolle in Theorie und Praxis, danach Ausgabe der Bescheinigung.

Die DGUV stellt Anforderungen an den Ausbildungsträger. Er muss jährlich mindestens 30 Personen schulen, Ausbilder müssen Ersthelfer sein. Als geeignet nennt die DGUV etwa Forstwirtschaftsmeister und erfahrene Forstwirte mit pädagogischer Ausbildung. Ein Blick auf diese Punkte hilft, unseriöse Angebote auszusortieren.

Häufige Fragen

Kann man einen Kettensägenschein online machen?

Nein, nicht als vollwertigen Nachweis. Modul A verlangt mindestens 8 UE Praxis an zwei zusammenhängenden Kurstagen und eine personenbezogene Lernerfolgskontrolle in der Praxis. Ein reiner Onlinekurs erfüllt die Vorgaben der DGUV Information 214-059 nicht.

Was darf man mit Modul A?

Am liegenden Holz sägen, Holzbauarbeiten ausführen und Bäume bis 20 cm Brusthöhendurchmesser unter einfachen Verhältnissen fällen. Für stärkere Bäume ist Modul B nötig.

Wie lange gilt der Schein?

Die DGUV Information 214-059 nennt keine Ablauffrist für die Bescheinigung. Waldbesitzer und Arbeitgeber können aber eigene Regeln haben, etwa eine Auffrischung nach längerer Pause. Nachfragen lohnt sich vor dem Kauf eines Brennholzloses.

Darf man im Wohngebiet mit der Motorsäge sägen?

Ja, aber nicht zu jeder Zeit. Die tragbare Motorkettensäge steht im Anhang der 32. BImSchV. Nach § 7 dieser Verordnung darf sie in Wohngebieten im Freien an Sonn- und Feiertagen ganztägig und an Werktagen zwischen 20 und 7 Uhr nicht laufen. Kommunale Satzungen können strengere Ruhezeiten festlegen.

Was passiert ohne Schein?

Für private Arbeiten im eigenen Garten schreibt kein Gesetz einen Schein vor. Im Staatswald und in PEFC-zertifizierten Betrieben bekommt man ohne Nachweis kein Brennholzlos. Arbeitgeber dürfen ungeschulte Beschäftigte nicht an die Säge lassen.

Fazit

Wer nur liegendes Brennholz im Staatswald aufarbeiten will, kommt mit einem eintägigen Selbstwerberkurs ab 135 € aus, sofern der Waldbesitzer ihn anerkennt. Wer auch Bäume fällt, sollte gleich Modul A buchen, bei Fällarbeiten über 20 cm BHD das Paket aus A und B. Vor der Anmeldung lohnt der Anruf beim Forstamt, welche Bescheinigung vor Ort anerkannt wird. SVLFG-versicherte Waldbesitzer sollten bei einer anerkannten Fortbildungsstätte buchen und den Zuschuss von 60 bis 150 € mitnehmen.

Quellen

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