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Kap. 3Garten & Forst

Rasenmäher-Messer schärfen und auswuchten: Werte, Schritte

Mit 30 Grad Schärfwinkel, gleichmäßigem Abtrag auf beiden Seiten und einem Auswuchttest danach wird ein Rasenmähermesser wieder scharf. Mit Herstellerwerten zu Drehmoment und Verschleißgrenze, Rechenbeispiel zur Unwucht und Entscheidungstabelle.

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Roter Benzin-Rasenmäher steht auf einer Wiese, davor hohe Grashalme und blühende Margeriten
Foto: congerdesign / Pixabay, Pixabay-Inhaltslizenz

Das Wichtigste

  1. Ein Rasenmähermesser wird mit etwa 30 Grad Schärfwinkel geschliffen, laut STIHL nach rund 20 bis 25 Mähstunden.
  2. Beide Schneiden müssen gleich viel Material verlieren, danach wird das Messer ausgewuchtet.
  3. Risse, Verbiegungen oder unterschrittene Mindestmaße bedeuten: neues Messer samt neuer Schraube.

Ein Rasenmäher-Messer wird mit einem Schärfwinkel von etwa 30 Grad geschärft, wobei beide Schneiden gleich viel Material verlieren müssen. STIHL nennt in seinem Ratgeber rund 20 bis 25 Mähstunden als Intervall. Nach dem Schleifen wird das Messer ausgewuchtet und mit dem Drehmoment aus der Bedienungsanleitung wieder angezogen, bei den drei Beispielmodellen weiter unten zwischen 27 und 60 Nm.

Der Ablauf ist überschaubar: Antrieb stilllegen, Messer ausbauen, reinigen, prüfen, schleifen, auswuchten, einbauen. Wer bei der Prüfung einen Riss findet, kann sich alles Weitere sparen. Ein angerissenes Messer kommt in den Schrott, nicht auf die Feile.

Ein Hinweis zur Sicherheit vorweg. Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) warnt in ihrer Broschüre „Grünpflege im Gartenbau“, dass beschädigte Messerteile mit großer Wucht weggeschleudert werden und schwerste Verletzungen verursachen. Eine Unwucht kann nach SVLFG zum Messerbruch führen. Vor jeder Arbeit am Messer wird deshalb der Zündkerzenstecker abgezogen, beim Akkumäher der Akku entnommen und beim Elektromäher der Netzstecker gezogen. Handschuhe und Schutzbrille gehören dazu, auch beim Aus- und Einbau.

Woran erkennt man ein stumpfes Messer?

Am Rasen selbst. Ein stumpfes Messer schneidet die Halme nicht, es reißt sie ab. Die Spitzen fransen aus, trocknen ein und lassen die Fläche ein paar Tage nach dem Mähen gräulich wirken. Bosch nennt in der Betriebsanleitung der UniversalRotak-Reihe ein unregelmäßiges Schnittbild als typische Folge eines stumpfen Messers und sieht dort als Abhilfe den Messerwechsel vor, nicht das Schärfen.

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Mediadaten

Am Messer selbst zeigt sich der Verschleiß an runden, glänzenden Schneiden und an Scharten von Steinen oder Wurzeln. STIHL rät, das Messer regelmäßig anzuschauen, auch wenn das Schnittbild noch in Ordnung ist. Nach dem Auffahren auf ein Hindernis wie einen Grenzstein verlangt die SVLFG eine Prüfung auf einwandfreien Zustand und festen Sitz, bevor weitergemäht wird. Starke Vibrationen oder Geräusche führt Bosch auf eine lose Messerschraube oder ein beschädigtes Messer zurück.

Schärfen, schärfen lassen oder neu kaufen?

Nicht jedes Messer lohnt den Aufwand. Die folgende Übersicht ordnet typische Befunde nach den Vorgaben in den Anleitungen von STIHL, Bosch und Güde.

Befund am MesserMaßnahmeGrundlage
Schneide rund, Schnittbild unsauberSchärfen und auswuchtenSTIHL-Ratgeber
Leichte Verformungen an der SchneidkanteHerausfeilen, beide Seiten gleichSTIHL-Ratgeber
Riss oder Kerbe, auch eine feineErsetzen, nicht schärfenSTIHL-Ratgeber
Verbogen nach SteinkontaktErsetzen, Motorwelle prüfen lassenHusqvarna, STIHL RM 2.2 RT
Mindeststärke oder Mindestbreite unterschrittenErsetzenSTIHL RM 2.2 RT
Messer gewechseltNeue Messerschraube verwendenSTIHL RM 2.2 RT, Güde ECO 46

Beim Schärfen lassen bleibt einem das Auswuchten erspart. STIHL empfiehlt in der Gebrauchsanleitung des RM 2.2 RT ausdrücklich, das Messer vom Fachhändler schärfen und auswuchten zu lassen, weil beides „viel Übung“ erfordere. Den Preis nennt der Hersteller nicht, er liegt beim Fachhandel vor Ort. Der STIHL-Ratgeber weist außerdem darauf hin, dass die Garantie auf das Messer beim Selberschärfen erlischt.

Werkzeug und Werte aus den Anleitungen

Für das Schärfen von Hand reichen ein Schraubstock mit Schonbacken, eine Werkstattfeile, ein Maul- oder Ringschlüssel, ein Holzklotz zum Blockieren und ein Auswuchtgerät. Für den Einbau braucht es einen Drehmomentschlüssel. Die Werte unterscheiden sich von Modell zu Modell erheblich, wie drei Beispiele zeigen:

MäherAntriebAnzugsdrehmomentWeitere Vorgabe
STIHL RM 2.2 RTBenzin, 2,1 kW60 NmNeue Schraube, Loctite 243, Schärfwinkel 30°
Güde ECO 46Benzin40 NmSchraube beim Messerwechsel tauschen
Bosch UniversalRotak 36-550Akku, 36 V27 NmMesser und Schrauben im Satz tauschen

Ein Wert von 60 Nm an einem Mäher, für den 27 Nm vorgesehen sind, kann Gewinde oder Messeraufnahme beschädigen. Umgekehrt löst sich eine zu lose Schraube im Betrieb. Maßgeblich ist immer die Anleitung des eigenen Geräts. Bei STIHL lassen sich die Gebrauchsanleitungen online über die Modellbezeichnung abrufen.

Rasenmäher-Messer ausbauen

  1. Zündkerzenstecker abziehen, Akku entnehmen oder Netzstecker ziehen. Grasfangkorb abnehmen.
  2. Mäher kippen. Einen Benzinmäher nach STIHL höchstens 45 Grad nach hinten ankippen oder auf zwei gegenüberstehende Stühle stellen. Der Luftfilter bleibt immer oben, sonst läuft Motoröl hinein. Elektro- und Akkumäher lassen sich auf die Gehäuseoberseite legen.
  3. Messer mit einem Holzklotz gegen das Gehäuse blockieren.
  4. Messerschraube gegen den Uhrzeigersinn lösen, so beschreibt es STIHL. Schraube, Scheibe und Messer abnehmen.
  5. Vor dem Abnehmen mit Kreide markieren, welche Seite unten lag. Das erspart später die Frage nach der Einbaulage.

Nie mit bloßen Händen am Messer gegenhalten: Rutscht der Schlüssel ab, geht die Hand direkt in die Schneide. Husqvarna rät, beim Ausbau auch Halterung, Bolzen und Motorwelle anzusehen. Ist die Welle verbogen, hilft auch ein neues Messer nichts.

Messer reinigen und prüfen

Angetrocknete Grasreste kommen mit einem Spachtel oder einer Drahtbürste ab. Erst auf dem sauberen Messer sind Risse zu sehen, besonders an den Übergängen zu den hochgebogenen Flügeln und rund um die Mittelbohrung.

STIHL gibt für das RM 2.2 RT drei Messwerte vor: Stärke, Breite und Schärfwinkel. Die Skizze zeigt, wo gemessen wird.

Breite b (RM 2.2 RT: mind. 45 mm) Stärke a (mind. 2 mm) c Schneide, c = 30° Querschnitt, nicht maßstäblich; Werte laut STIHL für das Modell RM 2.2 RT
Messpunkte am Mähmesser: Stärke, Breite und Schärfwinkel. Grafik: Redaktion

Beim RM 2.2 RT muss das Messer laut Gebrauchsanleitung ersetzt werden, wenn es dünner als 2 mm oder schmaler als 45 mm ist. Andere Hersteller nennen eigene Grenzwerte oder keine, dann entscheidet der Fachhandel. Jedes Schärfen nimmt Breite weg. Ein Messer, das schon mehrmals nachgeschliffen wurde, ist deshalb irgendwann am Ende, auch wenn es noch scharf aussieht.

Rasenmäher-Messer schärfen: die Schritte

  1. Messer mit Leder- oder Gummistücken zwischen den Backen in den Schraubstock spannen, Schneide gut erreichbar.
  2. Mit der Werkstattfeile entlang der vorhandenen Fase feilen, nur in Stoßrichtung und nur auf der angeschliffenen Seite. Die flache Unterseite bleibt unberührt, allenfalls wird dort ein Grat leicht abgezogen.
  3. Den Schärfwinkel von 30 Grad halten. STIHL nennt diesen Wert im Ratgeber und in der Gebrauchsanleitung.
  4. Feilen, bis Verformungen und Verrundungen an der Kante verschwunden sind. Die Striche zählen.
  5. Messer umspannen und die zweite Schneide mit derselben Zahl an Strichen bearbeiten.
  6. Grat entfernen. STIHL verlangt ein gratfreies Messer.

Eine Rasierklinge braucht niemand. Zu spitz geschliffene Kanten bekommen beim ersten Steinchen Scharten.

Elektrisch geht es schneller, aber mit Risiko. Mit Winkelschleifer oder Doppelschleifer wird das Messer schnell heiß. STIHL schreibt vor, dass das Messer beim Schärfen nicht blau anlaufen darf und gekühlt werden muss. Blaue Anlauffarben zeigen, dass der Stahl an dieser Stelle zu heiß wurde und weicher geworden ist. Die Schneide wird dann schneller stumpf. Wer elektrisch schleift, setzt also nur kurz an und taucht das Messer zwischendurch in Wasser. Das Messer wird beim Schärfen heiß, angefasst wird es nur mit Schutzhandschuhen. Weggeschleuderte Funken und Partikel sind der Grund, warum STIHL beim Schärfen eine eng anliegende Schutzbrille nach EN 166 oder EN ISO 16321 verlangt.

Warum das Auswuchten nicht wegfallen darf

Ein Gramm mehr auf einer Seite klingt nach nichts. Bei der Drehzahl eines Rasenmähers sieht das anders aus. Die Rechnung für ein Messer, das auf einer Seite in etwa 20 cm Abstand zur Mitte 1 g mehr Material hat, bei 2.800 Umdrehungen pro Minute (Nenndrehzahl des STIHL RM 2.2 RT):

  • Winkelgeschwindigkeit: 2 × π × 2.800 / 60 s = 293 pro Sekunde
  • Fliehkraft: 0,001 kg × 0,20 m × 293² pro s² = 17,2 N
  • Das entspricht der Gewichtskraft von etwa 1,75 kg, die mit dem Messer rund 47 Mal pro Sekunde umläuft und die Welle ständig in eine andere Richtung zieht.

Diese Kraft geht in Motorwelle und Lager. STIHL warnt im Ratgeber vor Vibrationen und Motorschäden, die SVLFG zusätzlich vor Messerbruch. Ausgewuchtet wird mit einem Auswuchtgerät: Das Messer wird mit der Mittelbohrung auf den Kegel gelegt. Bleibt es waagerecht, passt es. Kippt eine Seite nach unten, wird dort nachgefeilt, und zwar an der Fase und nicht an der Spitze, damit die Schneide nicht kürzer wird. Den Test so oft wiederholen, bis das Messer in jeder Lage stehen bleibt. Ein Nagel in der Wand ist ein grober Ersatz, er zeigt große Unterschiede, feine kaum.

Rasenmäher-Messer wechseln oder wieder einbauen

  1. Einbaulage prüfen: Die hochgebogenen Flügel zeigen nach Husqvarna zum Mähwerksgehäuse hin, also nach oben. Ein falsch herum montiertes Messer schneidet kaum, Bosch nennt das als Ursache für schlechtes Schnittbild.
  2. Messer so aufsetzen, dass es auf den Mitnehmern der Aufnahme sitzt und mittig auf der Welle liegt.
  3. Wo die Anleitung es vorsieht, eine neue Schraube verwenden. STIHL schreibt für das RM 2.2 RT zusätzlich Schraubensicherung Loctite 243 auf dem Gewinde vor.
  4. Messer mit dem Holzklotz blockieren und mit dem Drehmomentschlüssel auf den Wert aus der Anleitung anziehen.
  5. Messer von Hand drehen. Es darf nirgends schleifen.
  6. Probelauf. Vibriert der Mäher spürbar stärker als vorher, sofort abstellen und Sitz sowie Auswuchtung prüfen.

Güde schreibt in der Anleitung zum ECO 46, dass die Messer nach dem Nachschärfen auf richtige Laufrichtung und Unwucht zu prüfen sind. Diese zwei Kontrollen fangen die meisten Fehler ab.

Häufige Fehler

  • Nur eine Schneide geschärft: Das Messer ist danach fast immer unwuchtig.
  • Mit dem Winkelschleifer ohne Kühlung gearbeitet: blaue Stellen, weicher Stahl.
  • Die alte Schraube wieder eingesetzt, obwohl die Anleitung eine neue verlangt.
  • Ohne Drehmomentschlüssel nach Gefühl festgezogen.
  • Benzinmäher mit dem Luftfilter nach unten gekippt: Öl im Filter, Rauch beim Start.

Häufige Fragen

Wie oft muss ein Rasenmähermesser geschärft werden?

STIHL nennt 20 bis 25 Mähstunden. Auf sandigem Untergrund und bei trockenen Bedingungen verschleißt das Messer schneller, das beschreibt STIHL für die Messer seiner Mähroboter. Ein Rechenbeispiel: Wer von April bis Oktober rund 30 Wochen lang je eine Stunde mäht, kommt auf 30 Mähstunden, also auf ein- bis zweimal Schärfen pro Saison.

Kann man das Messer schärfen, ohne es auszubauen?

Für eine saubere Arbeit nicht. Im eingebauten Zustand lässt sich der Winkel nicht halten, Auswuchten geht gar nicht. Alle hier ausgewerteten Herstelleranleitungen beschreiben den Ausbau.

In welche Richtung wird die Messerschraube gelöst?

Bei den gängigen Mähern gegen den Uhrzeigersinn, von unten auf die Schraube geschaut. So beschreibt es STIHL. Abweichungen nennt die jeweilige Anleitung.

15 oder 20 Grad wie beim Küchenmesser?

Nein. Diese Winkel gelten für Küchen- und Taschenmesser. Ein Mähmesser trifft auf Sand und Steinchen und braucht eine stumpfere, stabilere Schneide. STIHL gibt 30 Grad vor.

Was ist mit Mähroboter-Messern?

Die kleinen Klingen von Mährobotern werden getauscht, nicht geschärft. STIHL legt die iMOW-Messer auf 200 Betriebsstunden aus, warnt, dass ein verschlissenes Messer abbrechen kann, und verweist darauf, dass nur ein neues Messer präzise genug ausgewuchtet ist.

Fazit

Wer ein Rasenmähermesser selbst schärft, braucht vor allem Geduld beim gleichmäßigen Abtrag auf beiden Seiten. Ohne Auswuchtgerät und Drehmomentschlüssel ist das Schärfen beim Fachhandel die bessere Wahl. Bei Rissen, Verbiegung oder unterschrittenen Mindestmaßen kommt ein neues Originalmesser samt neuer Schraube auf den Mäher. Vor dem ersten Handgriff lohnt der Blick in die Anleitung des eigenen Modells, denn Drehmoment und Grenzwerte liegen je nach Hersteller weit auseinander.

Quellen

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